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Brain Lord

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Reviewautor: Horst_Sergio
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Genre: Rollenspiel, Adventure
Größe: 12 MBit
Vertrieben von: Enix
Entwickler: Produce!
Spieler: 1
Level: 6 Dungeons
Schwierigkeitsgrade: 1 - eher schwer
Features: Batteriespeicher

Square Soft und Enix Corporation waren in den Neunzigern schlichtweg die RPG-Spezialisten, die sich nicht erstlinig dem PC verschrieben, sondern den Videospielekonsolen widmeten. Enix veröffentlichte vorwiegend die Spiele verschiedener Entwicklerstudios; allen voran natürlich Quintet, welche die sogenannte "Quintet Trilogie" bestehend aus Soul Blazer, Illusion Of Time und Terranigma, sowie Actraiser 1 und 2 und das hierzulande eher unbekanntere Robotrek erschufen. Die Spiele weiterer Entwickler wie etwa TOSE (u.a. Dragon Quest, Star Ocean), West One (Dark Half) oder Almanic Corp. (E.V.O.) blieben allerdings dem japanischen und amerikanischen Markt vorenthalten und haben den Weg nach Deutschland nur über den Importhändler gefunden. Dieses gilt auch für die drei von Produce entwickelten Spiele The 7th Saga, dessen Nachfolger Mystic Ark und Brain Lord. Letzteres wurde im August 1994 über Enix America als NTSC-Version veröffentlicht, lange bevor die deutschen Spielefans mit einem Illusion Of Time beglückt wurden und leider mit zu wenig Nachhall, um über einen gewissen Insiderstatus hinaus zu wachsen.

Brain Lord ist weniger RPG der Marke Final Fantasy, Lufia oder Robotrek, sondern vielmehr eher ein Action Adventure á la The Legend Of Zelda: A Link To The Past. Die Geschichte ist dünn wie Eis und wenig präsent. Im Turm nördlich der Heimatstadt des Helden lebt ein Drache, der das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse hält. Jedoch tummeln sich immer mehr Monster vor den Toren der Stadt. Der Held stellt fest, dass er - ganz wie der Herr Papa - ein Drachenkrieger ist und sich seinen Weg zum Turm bahnen und das Böse aus der Welt verbannen muss. Es wird aktiv in den Dungeons gekämpft. Besiegte Gegner hinterlassen lediglich Geld und Items, aber keine Erfahrungspunkte, die zu Levelaufstiegen führen. Der Held muss sich bessere Ausrüstung in den überlangen Kerkern zusammen klauben oder bei Händlern erkaufen. Die Lebensenergie wird mittels sammelbarer Herzcontainer dauerhaft erhöht. Desweiteren gibt es Tränke, welche die Kraft und Stärke des Helden steigern. Außerdem sammelt man im Verlauf des Spiels verschiedene Edelsteine ein, in denen Feen leben, die - wenn sie freigesetzt werden - den Helden aktiv unterstützen, indem sie entweder ins Kampfgetümmel eingreifen oder seine Attribute verstärken. Darüber hinaus hat der Held einige Bekannte, die ihm immer wieder in den Dungeons über den Weg laufen und mit Ratschlägen versorgen oder ihm Heilmittel verkaufen und unnötigen Plunder abnehmen. Von letzterem sammelt man in kurzer Zeit recht viel ein. Da das Inventar hinsichtlich der Bedienbarkeit etwas fummelig geraten ist, kommt regelmäßige Resteverwertung beim fahrenden Händler sehr gelegen.

Es gibt keine riesige Welt und auch nur wenig Interaktion in den wenigen Siedlungen. Nachdem der Held seinen Heimatort verlässt, gelangt er lediglich in die Stadt Toronto. Hier gibt es eine Arena, in der er sich als Kämpfer verdingen kann. Ansonsten reist er von dort aus in die kommenden Dungeons. Der rote Faden ist selbst für Orientierungslegastheniker deutlich spürbar. Abseits der Wege gibt es fast nichts zu sehen und die NPCs halten sich mit Nebenaufträgen stark zurück. Das Herzstück des Spiels sind die insgesamt sechs Dungeons. Diese haben es als weitläufige und mit haufenweise Fallen und hundsgemeinen Rätseln und Puzzles angereicherte Labyrinthe ganz schön in sich. Wer sich nicht für ausuferndes Abklappern von Druckplatten und Schieberätseln begeistern kann, der wird bereits im zweiten Kerker genervt das Handtuch werfen. Das Leveldesign ist ziemlich gut gelungen, aber manche Teilaufgaben und Rätsel sind einfach brutal. Ein schönes Beispiel dafür ist eine verschlossene Tür in Kerker Nummer drei. Auf dem Boden befinden sich drei nicht selbsttätig einrastende Druckplatten. Aber es gibt keine Steine zum darauf schieben. Neben der Tür hängt ein Schild mit dem Spruch: "The key to this room is on the control pad!" ...hm! Der geneigte Spieler begibt sich also akribisch auf die lange, lange Suche nach einem Schaltpult oder etwas vergleichbarem. Und nachdem bereits Stunden verstrichen sind, dämmert es dem Spieler eventuell, dass mit "Control-Pad" womöglich das Gamepad gemeint ist, das er in den Händen hält. Tatsächlich. Das Spiel bricht die vierte Wand! Die Tür ist gar nicht verschlossen, man muss lediglich den richtigen Button drücken und simsalabim. Solche Momente können wahrlich gemein sein! Obwohl das Spiel Brain Lord heißt, führt intuitives Handeln und unbedachtes Ausprobieren tatsächlich eher zum Erfolg, als stetige Grübelei. Für manch fiese Geschicklichkeitsprüfung wird auch das für diese Art von Spiel eher untypische Sprungfeature missbraucht. Die Spielbarkeit an sich ist allerdings gut. Der Held reagiert ohne Murren auf sämtliche Befehle.


BEWERTUNG

Grafik
Alles in allem solide. Vor allem das Heimatdorf des Helden ist schick gezeichnet, aber auch die Dungeons und Gegner können sich sehen lassen.

Musik
Für ein Adventure eher ungewöhnlich: Sphärische Synthesizersounds werden mit treibenden und fett donnernden Digi-Drums unterlegt. Einige Themes sind richtig gut gelungen und durchaus eine stimmige Hintergrundbeschallung.

Sound
Die Effekte sind zweckdienlich - nicht mehr und nicht weniger.

Gameplay
Viele, viele Rätsel lösen und viele, viele Kämpfe bestreiten - das sind die Hauptzutaten von Brain Lord. Das Gebotene ist spielerisch durchaus in Ordnung, wenn auch nicht sehr abwechslungsreich. Lediglich die Menüführung hätte etwas komfortabler gestaltet werden können.

Spielspaß
Die Geschichte hat wenig Tiefgang und auch sonst verlässt sich das Spiel weitgehend auf die langen Dungeons und die vielen Rätsel und Puzzles. Das geht deutlich zu Lasten einer gewissen Atmosphäre. Etwas mehr optische Abwechslung hätte sicherlich gut getan - kürzere Dungeons, aber dafür mehr an der Zahl. Der Schwierigkeitsgrad schwankt zudem. Manche Rätsel knackt man schneller, an anderen brütet man ewig. Die Kämpfe sind allgemein eher fordernd. Alles in allem macht Brain Lord aber durchaus Spaß.

Fazit
Brain Lord ist ein Dungeon Crawler ... und dann doch wieder nicht. Ohne Erfahrungspunkte und Levelaufstiege erscheinen die vielen Kämpfe eher sinnlos. Anders als mit The 7th Saga, das sich auf das Bereisen einer großen Welt und seine taktischen Rundenkämpfe verlässt, lassen Produce wenige, aber riesige und puzzlelastige Kerker vom Stapel. Das kann Spaß machen, geht aber manchmal auch nach hinten los. Brain Lord ist kein makelloses Game, aber definitiv auch nicht schlecht. Den Vergleich mit Legend Of Zelda hält es aufgrund mangelnder Abwechslung nicht stand, aber es ist tausendmal besser als etwa Lord Of The Rings oder Lagoon. Das Design wirkt teilweise etwas altbacken, aber wiederum hat Brain Lord einige tolle Momente, wenn man sich mit einem Abenteuer zufrieden gibt, das weniger auf dramaturgische Achterbahnfahrten aus ist. Die Feen und die NPCs, die in den Dungeons heraumgeistern, halten den Frust in Grenzen. Produce liefern solide und actionreiche Adventurekost für mindestens 15 bis 20 nicht allzu abwechslungsreiche, aber dennoch unterhaltsame Stunden.

Grafik: 7
Sound: 6
Musik: 7
Gameplay: 7
Dauerspaß: 6
Gesamtwertung 6.5